Die Roggenmuhme I Lyrics


Bedroht uns der Hunger, die Ernte ist mager

So wissen die Alten von noch ält'rem Brauch

Werden die Menschen vor Elend ganz mager

Füllt er ihnen kommendes Jahr wohl den Bauch

Schickt aus die Kindlein Kornblumen zu pflücken

Schickt sie nur aus zur Mittagsstund!

Lasset die Kleinen sich gar eifrig bücken

Dann erneuern wir wieder den Bund!

Lass steh'n die Blume

Geh nicht ins Korn!

Die Roggenmuhme zieht um da vorn!

Bald duckt sie nieder

Bald guckt sie wieder

Geh nicht ins Korn!

Tief in den Feldern, wo sommers erblüht

Der Roggen so golden, durch den der Wind zieht

Dort sitzt in den Ähren ein finsteres Weib

Schwarz sind die Titten, die hängen vom Leib

Die Augen wie Feuer, die Zitzen voll Gift

Die Hände aus Eisen und fest ist ihr Griff

Sie lockt die Kindlein mit brüchiger Stimme

Sie sitzt dort im Kornfeld wie eine Spinne

Lass steh'n die Blume

Geh nicht ins Korn!

Die Roggenmuhme zieht um da vorn!

Bald duckt sie nieder

Bald guckt sie wieder

Geh nicht ins Korn!

Die Leute geh'n am anderen Tag

Hinaus auf den reifenden Acker

Und wie sie geh'n in den Roggenschlag

Wälzt sich flugs davon eine Natter

Und nichts zu seh'n von der Kinderschar

Kein Gruß dringt heraus aus dem Feld

Die Sonne beleuchtet den neuen Tag

Die Vögel zwitschern und ein Hund bellt

Die Leute kehren ab sich vom Acker

Ein jeder blickt nur nach vorn

Der Wind schlägt ferne ein Gatter

In der Sonne strahlt golden das Korn

Lass steh'n die Blume

Geh nicht ins Korn!

Die Roggenmuhme zieht um da vorn!

Bald duckt sie nieder

Bald guckt sie wieder

Geh nicht ins Korn!