Bedroht uns der Hunger, die Ernte ist mager So wissen die Alten von noch ält'rem Brauch Werden die Menschen vor Elend ganz mager Füllt er ihnen kommendes Jahr wohl den Bauch Schickt aus die Kindlein Kornblumen zu pflücken Schickt sie nur aus zur Mittagsstund! Lasset die Kleinen sich gar eifrig bücken Dann erneuern wir wieder den Bund! Lass steh'n die Blume Geh nicht ins Korn! Die Roggenmuhme zieht um da vorn! Bald duckt sie nieder Bald guckt sie wieder Geh nicht ins Korn! Tief in den Feldern, wo sommers erblüht Der Roggen so golden, durch den der Wind zieht Dort sitzt in den Ähren ein finsteres Weib Schwarz sind die Titten, die hängen vom Leib Die Augen wie Feuer, die Zitzen voll Gift Die Hände aus Eisen und fest ist ihr Griff Sie lockt die Kindlein mit brüchiger Stimme Sie sitzt dort im Kornfeld wie eine Spinne Lass steh'n die Blume Geh nicht ins Korn! Die Roggenmuhme zieht um da vorn! Bald duckt sie nieder Bald guckt sie wieder Geh nicht ins Korn! Die Leute geh'n am anderen Tag Hinaus auf den reifenden Acker Und wie sie geh'n in den Roggenschlag Wälzt sich flugs davon eine Natter Und nichts zu seh'n von der Kinderschar Kein Gruß dringt heraus aus dem Feld Die Sonne beleuchtet den neuen Tag Die Vögel zwitschern und ein Hund bellt Die Leute kehren ab sich vom Acker Ein jeder blickt nur nach vorn Der Wind schlägt ferne ein Gatter In der Sonne strahlt golden das Korn Lass steh'n die Blume Geh nicht ins Korn! Die Roggenmuhme zieht um da vorn! Bald duckt sie nieder Bald guckt sie wieder Geh nicht ins Korn!