Gedankenort Lyrics


Ich wander' in Gedanken,

auf Wegen, Pfaden,

die abseits gelegen,

fernab der Straßenfassaden,

keine Schranken, keine Passanten,

die durch Rauch- und Nebelschwaden

wanken.

Grenzen überschreiten mich,

in ferne Weiten greife ich,

und pflück' das Himmelsblau

vom Weltenbaum,

ersehntes Glück ziert Morgentau,

weicht Stück für Stück

dem Sorgengrau.

"Wie viele Leben hat die Ewigkeit?",

schallt es durch die hohen Wipfel-

kronen. Es scheint, dass der auf

Schwingen thront, hier ewig einsam

weilt, daran zu brechen droht, und in

Verstandes Klinge springend eilt.

Doch meine Feder Flügelschlag währt

fort, schweife, gleite hinab zu einer

Lichtung, eine Quelle wurzelt dort,

ringsherum schwebt Blütensaat

Wellensturz ermordet Kummer,

führt ihn zum Hügelgrab.

Wo mein Geist schlummert, kennt der

Tag keine Nacht, ein Frühlingssturm

wütet karg, welk' Blattwerk küsset Erde

sacht, bis der Hain erwacht und sich

zum Scherbenmeer verwandelt.

Lebensdurstig schöpf ich Kraft

aus diesem mich umgebenden Gemäuer,

des Phönix' sterbend Federmantel,

entfacht des Königs höchste Macht,

heilendes, funkelndes Feuer.

Doch auch Gedanken verblassen,

nur ein Wort reißt entzwei,

sie nur mein Luftschloss

zieht auf Wolken vorbei.

So bersten jene Mauern

Der Wind bricht in Stücke

Augenlieder in Trümmern bedauern

Steine verwehen die Sicht.

Ein kühler Regenschauer

prasselt auf den Asphalt nieder,

in grauen Gassen lauert,

was den Verstand ersticht.