Im Widerschein der Wirklichkeit Lyrics


Ich hauste einst in finstren Tiefen

bei schattenschwirrend’ Lichterschein;

ich lag in Ketten, sah Gestalten,

ach, lang sollt’ dies mein Kosmos sein!

Nach Jahren ward von Rost zerfressen

die Fessel meiner Lebenszeit;

gebannt berührte ich die Schemen

in ihrer trauten Seltsamkeit.

Ein Schauer fasst’ mich Schmerzensreichen,

die Fingerspitzen wurden kalt;

ich riss sie los von jener Mauer,

an der sich Tausend festgekrallt.

Mein Blick von Zähren heiß verhangen,

gezeichnet von Gefangenschaft,

mein Auge füllte sich mit Funken

geheimnisvoller Flammenkraft.

Gar feurig schlug aus mir Erkenntnis,

Gesichter glühten panisch weiß!

Mein Geist umfasste ihre Welten

und gab sie ihrem Schicksal preis.

Doch trotz des Wissens, trotz des Forschens

genügte mir das Licht nicht mehr;

mich drängte es nach hellsten Pfaden,

zur Reise ohne Wiederkehr.

So stieg ich hoch die steilen Stufen,

von Weisheit in den Fels gebaut;

Gestein zerschnitt mir Hand und Sohle,

es strömte warm aus meiner Haut.

Anstelle all der Mensch-Miasmen

betörte mich ein milder Duft,

vom Hauch des Winters weit getragen,

gelöst in klarer, kühler Luft.

Erschöpft durchschritt ich stolz die Pforte,

der Blick zurück tat kaum mehr weh;

bewusst ein letzter Schritt nach draußen -

mein bloßer Fuß zermürbte Schnee.